Forum Städtli Neunkirch

Unter dem Namen «Forum Städtli Neunkirch» besteht seit dem 27. Oktober 2011 ein Verein.

Ein Jahr zuvor fand der Europäische Tag des Denkmals 2010 in Neunkirch statt. An diesem Tag wurde den Gründern klar, wie gross die Anziehungskraft des Städtchens ist, nicht nur bei den Bewohnerinnen und Bewohnern, sondern auch bei den vielen Gästen.

Impulse zu geben für eine massvolle Entwicklung; das schlummernde Entwicklungspotenzial zu wecken, den Gefahren eines fortschreitenden Strukturwandels zu begegnen, die Einmaligkeit und Qualitäten des Städtchens Neunkirch zu entfalten und das kulturelle Erbe der Kulturlandschaft zu pflegen, sind die Ziele des Forums.

Daneben will das Forum mit Aktionen die Bekanntheit und Beliebtheit des Städtlis und seiner Umgebung fördern.

Neunkirch ist mit etwas über 2000 Einwohnern ein bescheidener Ort, mit einigen regionalen Aufgaben aber ohne grössere Zentrumsfunktionen. Die nahe Landesgrenze und die historische Unterordnung unter den Kantonshauptort Schaffhausen prägten die gemächliche Entwicklung des Ortes.

Im Klettgau gelegen, umgeben von Kornfeldern und Rebbergen wäre Neunkirch eine Gemeinde wie viele andere auch, wenn da eben nicht dieses Städtli wäre.

Auf der Landeskarte entdeckt man unschwer das Rechteck, das der Bischof von Konstanz auf seinen Boden gelegt hat. Es liegt heute noch dort wie vor siebenhundertfünfzig Jahren.

Das ist einzigartig.

Auch wenn das Städtli Neunkirch einzigartig ist, zeigt es doch fortgeschrittene Symptome des Strukturwandels. Andere Einkaufsgewohnheiten, mehr Mobilität und Pendler, veränderte Arbeitsplätze, Berufe und Lebensweisen führen zu verschiedenen Nutzungsänderungen im einstigen Handwerker- und Bauernstädtchen. Die Folgen sind laufend weniger Detailhandels- und Dienstleistungsgeschäfte, leerstehende Geschäfte und Wohnungen, problematische Nachnutzungen und ein Wertzerfall der Liegenschaften. Damit geht nicht nur die lokale Wertschöpfung verloren, sondern auch eine Kultur: Man begegnet sich seltener beim Einkauf im eigenen Städtli. Ortskerne veröden oder werden zu reinen Wohnquartieren.

Der Strukturwandel kann kaum aufgehalten werden, was eine Auseinandersetzung mit den Folgen nötig macht.

Das Problem wird zur Gefahr, darum begann das Forum ein Projekt.

Eigentlich brauchte es die alte Stadt gar nicht mehr.

Auszüge aus „Slum oder Schmucktruckli?“ von Benedikt Loderer, Biel, 19. Oktober 2042

Die alte Stadt war damals eine A-Stadt. Hier lebten die Alten, die Armen, die Ausländer und die anonymen Alkoholiker. Selbstverständlich nicht nur, aber doch. Sogar die Gemeindeverwaltung war ausgezogen. Es wohnte kaum noch jemand von Einfluss und gesellschaftlichem Gewicht hier.

Eigentlich brauchte es die alte Stadt gar nicht mehr. Sie war nur eine Belastung. Das Hüslineunkirch könnte ohne sie ungestört weiter florieren. Es wäre dann endlich ein von seiner Altlast befreites Agglodorf geworden, wie hunderte im Umkreis. Vermutlich sogar steuergünstiger. Für die sogenannte Identität würde die Bergkirche vollkommen ausreichen. Vor allem wären alle Hüslimenschen die bohrende Frage los geworden: Was tun mit der alten Stadt?

Leider war sie da und nicht leicht aus der Welt zu schaffen. Sie verrotten lassen, das erlaubte die protestantische Ethik nicht, die nichts wegwerfen darf. Eine zerfallende alte Stadt wäre zum Denkmal einer Niederlage geworden: Neunkirch war nicht im Stande seine Erbschaft zu erhalten.

Verein Forum Städtli Neunkirch 2017    Gestaltung und Text: H. Michel Neunkirch     Bilder: Archiv Koch bei R. Wessendorf, Schaffhausen, Kantonale Denkmalpflege, Schaffhausen, Forum Städtli Neunkirch     Quellen: W. Wildberger, Geschichte der Stadt Neunkirch 1917, Historisches Lexikon der Schweiz